| Heute Morgen habe ihn erwischt! Hatte mich schon gefragt, warum er manchmal so früh am Morgen sein Zimmer verlässt. Nun weiß ich es. Leise bin ich hinterhergeschlichen. Er verschwand im Fahrstuhl, der im Keller hielt. Soso, wahrscheinlich hat er nur seine Zahnbürste im Tankrucksack vergessen. Aber es dauerte zu lange. | ![]() |
| Also über die Treppen runter und im Schein flackernder Neonröhren sah ich ihn in der Tiefgarage an seinem 130er Hinterrad hocken, irre kichernd eine zähe Paste auf seine Reifen auftragen. Dann verstaute er das Döschen wieder im Ele-Boy und fuhr wieder rauf. Was war das? Aha! Auf der Dose stand "Dr. Grünfingers Patent-Baumharz". Nun war alles klar. Das Zeug sickert in die rauhen Reifen und verpasst ihnen einen Reibungskoeffizienten, dem kein Slick das Wasser reichen kann. Bei der weiteren Untersuchung der XR fand ich einen kleinen Schalter, der mit dem rechten Knie bedient werden kann. Jetzt weiß ich, warum er immer so breitbeinig drauf sitzt, denn mit diesem Schalter werden bei Bedarf alle Bremslichtschalter außer Betrieb gesetzt. Also bremst er wohl doch manchmal vor Kurven.
Und jetzt der Hammer: Lucky, der Metallmechanik-Mensch, hat eine mit einem Straßennavigationsgerät gekoppelte Anzeige, die ihm getarnt als Tageskilometerzähler in einem einzigen Zahlenwert Informationen über den zu erwartenden Kurvenradius liefert, den Gefährlichkeitsgrad und der Wahrscheinlichkeit, dass Holländer ihr Wohnmobil zum Picknick mitten in der Kurve geparkt haben. Anders war auch nicht erklärbar, wie dieser Mensch mit Null Sicht immer mit der maximal möglichen Geschwindigkeit in die Kurven sticht. |
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| Der Tag verlief ruhig, denn hektisch links und recht der Straße fahrende Guzzis weilten nicht mehr unter uns (sind jetzt in Gap). Ähnliche Motorcharakteristika und gleiches Ziel wirken beruhigend auf uns und die Fahrweise, was sich eher in schnellerem Durchmessen engster Kurvenradien zeigte. Wir probierten so ziemlich jede Möglichkeit aus, von San Pellegrino nach Lecco und zurück zu gelangen und fanden die großartigsten, so gut wie gar nicht befahrenen Ortsverbindungssträßlein, die man sich vorstellen kann. Hier findet man garantiert keine Krad fahrenden deutschen Kradfahrer, weil sie hier keine Gelegenheit finden werden, entgegenkommenden deutschen Kradfahrern den Kradfahrergruß zu entrichten. Also Finger an Griffgummis und Hebeln lassen und Gaaas! | ![]() |
| Es herbstelt bereits, und so war es eine besondere Herausforderung, Schlaglöchern, Rollsplitt, Pfützen und Blätterteig aus verschiedensten Pflanzenabfällen geschickt zu begegnen.
Die Siesta fand an der Promenade in Lecco statt, mit Cola, Gnocchi und Cappu und beim Beobachten eines kleinen Dampfbootes, das in der Bucht pfeifend umherkreuzte. Dann wieder in die Berge, wieder 'nen Kaffee, nochmal durch die Schlucht Richtung Pellegrino, diesmal bei ganz anderem Licht. Wir bremsten nur kurz bei den Brembo-Werken, dem Buell-Hoflieferanten für sportlich untätige Hinterradbremsen. |
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| Voll gegen die Sonne heizten wir den Colle San Marco rauf, oben auf dem nackten Pass im satten Abendlicht eine Pinkel- und Zigarettenpause und in Gewitterstimmung runter. Dabei wurde Lucky die Ehre zuteil, mal eine 98er M2 fahren zu dürfen. Ich musste dann seine XR ins Tal überführen. Gegen 19:30 wurde nach ätzenden 30km auf schnurgerader verstopfter Talstraße für heute in Sorico Feierabend gemacht. Da der Tag so anstrengend war, gab es viel gemischte Antipasti, noch mehr verschiedene Pasta vom Buffet, Gequatsche, diverse Weine und um Mitternacht Schokoladeneis. Die Versuche der verbalen Kontaktaufnahme durch füllige Holländerinnen konnten wir abwehren. | ![]() |