Tag 6: Mal noch eben 'ne Hochebene

Der Herbst kommt. Es ist empfindlich kalt und die Berge verschwinden im Nebel. Nach Brioche-Frühstück und Kaffeeeinkauf bollerten wir durch tiefhängende Wolken wieder zurück zum Bernina mit langen Kurven und durch schnelle Serpentinen mit großen Radien nach Tirano runter.

Dann rechts rum und hinten rum über Aprica nach Edolo, eine richtig schnelle Strecke mit langen Kurven und Wedelstrecken an der Felswand entlang. Viel Verkehr hat's hier, jedoch ist auch geschicktes Überholen und Durchschlängeln nicht reizlos.

Diese voll unsportliche Fahrhaltung musste man tagelang ertragen
Im Lieblingscafé an der Main Street mussten Cappus, Panini, und Eis dran glauben. Die Sonne knallt wieder runter, die Finger sind wieder warm, die Reifen heiß und die Moppeds knistern auf dem Gehweg. Die Karten zeigen im Dreieck zwischen Edolo, Tirano und Grossoto viele kleine weiße Wege. OK, wird benutzten alle und tobten über die schmalen, aber größtenteils ordentlich asphaltierten Straßen über wahnsinnige Steigung, vorbei an gigantischen Ausblicken bis 2000m Höhe über die Kämme zwischen den Tälern. Hier fährt auch bestimmt kein Tourist rum - nur Ziegenhirten, Alm-Öhis, vergnatzte Jäger und Offroader. Trotzdem war alles asphaltiert. Fettige, triefende Bikerwürschte sind die Attraktion am Stifzer
Vorm Gavia kam dann etwas Niesel, Kälte und endlich jagdbares Wild in Form anderer Moppedfahrer, aber leider wurden die Tanks leer und wir mussten sie ziehen lassen. Den Gavia rauf und runter kam uns kein Mopped mehr vor die Flinte, dafür ein Traktor, der links abbog. Nach mehrfachen Stoppies stand ich 20cm vor diesem riesengroßen Hinterrad - der Traktorist grinste aus seiner klimatisierten Kabine und ein deutscher Dosenfahrer bekam fast einen Herzkaschper, als alles vorbei war, und hupte wie wahnsinnig. Die Kälte sieht man nicht.
Nach ein paar Nüdelchen in Bormio-City und diverse Cappus und Espressi ballerten wir noch den Stilfzer hoch (wieder kein jagdbares Wild), schauten den beiden Wurstmaxen bei Standabbauen im Sonnenuntergang zu, fanden es sehr komisch, wie der Wurstmaxe mit seinem Auto ein paar Harleyfahren zum Rückwärtsausparken bergauf zwang und surften dann die (48? - nicht zum Zählen gekommen) Serpentinen runter. Vor vielen Kurven mit schwänzelndem Hinterrad, in noch mehr Kurven mit rutschendem.
Meinem absoluter Hotel-Favorit steht an der SS von Reschen nach Meran in Spondigna am Abzweig nach Trafoi/Stilfzer (Post-Hirschen). Ihm wurde die Ehre zuteil, uns die letzte Nacht beherbergen zu dürfen. Die Marmortreppe mit Messinggeländer, die Sitzecke für canastaspielende Damen, der barocke Salon und die holzgetäfelte handgeschnitzte Esssaal sind alleine das Geld wert. Das ist wirliche alte alpine Hotelkultur! Natürlich gibt es auch lauschige Ecken im Garten, Terrassen, einen Rauchsalon, das Café an der Ecke mit Blick auf abbiegende Bikerhorden... Das Essen war natürlich auch OK. Noch ein Kaffe an der Straße und dann weinselig ins Bett.
Das großartige Hotel in Spondigna/Spondinig

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